8 Min. Lesezeit DSGVO / Datenschutz

Warum Linktree nicht DSGVO-konform ist — und was du stattdessen nutzen kannst

Linktree ist der bekannteste Linkbaum der Welt — und gleichzeitig eines der Tools, bei denen deutsche Datenschutzexperten regelmäßig die Stirn runzeln. Wenn du hier gelandet bist, hast du vermutlich schon gehört, dass Linktree „nicht DSGVO-konform" sei, und willst wissen: Stimmt das? Und wie groß ist das Risiko wirklich?

Die kurze Antwort: Linktree lässt sich in der EU nur mit Einschränkungen und Restrisiko einsetzen. Die lange Antwort — mit den drei konkreten Problemen, dem Abmahnrisiko und den Alternativen — kommt jetzt. (Hinweis: Dieser Artikel ist sorgfältig recherchiert, aber keine Rechtsberatung.)

Was Linktree mit deinen Besucherdaten macht

Jeder Klick auf deine Linktree-Seite erzeugt Daten: IP-Adresse, Gerätetyp, Browser, Uhrzeit, Herkunftsseite. Das ist bei jedem Link-in-Bio-Tool so — entscheidend ist, wo diese Daten verarbeitet werden und ob deine Besucher einwilligen können.

Bei Linktree gilt: Das Unternehmen sitzt in Melbourne, Australien, und verarbeitet Daten über Infrastruktur, die sie in die USA leitet. Zusätzlich erhebt Linktree Analysedaten über die Besucher deiner Seite — unter anderem für die Statistik-Funktionen, die dir Linktree im Dashboard anzeigt.

Die drei konkreten DSGVO-Probleme

1. Datentransfer in die USA (Schrems II)

Personenbezogene Daten von EU-Bürgern dürfen nur unter besonderen Voraussetzungen in Drittländer übertragen werden. Für die USA gibt es keinen allgemeinen Angemessenheitsbeschluss — das EU-US Data Privacy Framework deckt nur zertifizierte Unternehmen ab. Linktree stützt sich auf Standardvertragsklauseln (SCC). Seit dem Schrems-II-Urteil des Europäischen Gerichtshofs ist jedoch umstritten, ob SCC für US-Transfers allein genügen, weil US-Behörden weitreichende Zugriffsrechte auf Daten haben. Deutsche Aufsichtsbehörden legen diese Frage traditionell streng aus.

2. Tracking ohne Einwilligung deiner Besucher

Nach dem TTDSG (heute Teil des TDDDG) braucht es für nicht zwingend erforderliche Cookies und vergleichbares Tracking eine aktive Einwilligung. Das Problem: Auf einer Standard-Linktree-Seite gibt es keinen Consent-Banner für deine Besucher. Die Analysedaten werden trotzdem erhoben. Verantwortlich gegenüber deinen Besuchern bist aber du als Betreiber der Seite — nicht nur Linktree. Genau diese Konstellation kritisieren deutsche Kanzleien und Datenschutzblogs seit Jahren.

3. Das Impressum-Problem (2-Klick-Regel)

In Deutschland müssen Impressum und Datenschutzerklärung von jeder geschäftlich genutzten Seite aus mit höchstens zwei Klicks erreichbar sein. Der klassische Aufbau — Instagram-Profil → Linktree → deine Website → Impressum — sprengt diese Regel. Für privat genutzte Seiten ist das egal; sobald du aber als Creator Geld verdienst, mit Marken kooperierst oder ein Gewerbe hast, bist du impressumspflichtig — auch auf deinem Linkbaum.

Wie groß ist das Abmahnrisiko wirklich?

Ehrliche Einordnung: Es gibt keine Abmahnwelle, die pauschal jeden Linktree-Nutzer trifft. Aber die Bausteine für eine Abmahnung liegen bereit — fehlendes Impressum ist ein Klassiker des deutschen Abmahnwesens, und Datenübermittlung in die USA ohne wirksame Grundlage ist seit Schrems II ein wiederkehrendes Thema bei Aufsichtsbehörden. Das Risiko steigt, je sichtbarer und kommerzieller dein Auftritt ist: Wer als Unternehmen, Kanzlei, Praxis oder größerer Creator auftritt, ist ein attraktiveres Ziel als ein privates Hobby-Profil.

Kurz: Für den Hobby-Account ist es ein theoretisches Problem. Für alle, die mit ihrer Bio-Seite Geld verdienen, ist es ein reales.

Kannst du Linktree trotzdem (halbwegs) sauber nutzen?

Wenn du bei Linktree bleiben willst, kannst du das Risiko verringern — ganz beseitigen lässt es sich nicht:

  • AVV abschließen: Linktree bietet einen Auftragsverarbeitungsvertrag an — abschließen und archivieren.
  • Impressum & Datenschutzerklärung direkt auf die Linktree-Seite: Als eigene Links ganz oben platzieren, damit die 2-Klick-Regel eingehalten wird.
  • Eigene Datenschutzerklärung ergänzen: Die Verarbeitung durch Linktree (inkl. US-Transfer) transparent machen.
  • Datensparsamkeit: Keine sensiblen Zielgruppen (Gesundheit, Recht, Finanzen) über eine US-verarbeitende Seite leiten.

Was du damit nicht löst: den US-Datentransfer selbst und das einwilligungslose Tracking deiner Besucher. Deshalb wechseln viele deutschsprachige Creator gleich zu einer Alternative.

Die Alternativen im Überblick

Wonderlink — deutsches Unternehmen, Hosting in Deutschland, ohne Tracking-Cookies konzipiert. Kostenloser Basis-Tarif. Die strengste „einfach einsetzen"-Lösung für den DACH-Raum; Oberfläche derzeit nur auf Deutsch.

Zeeg — ebenfalls Deutschland, EU-Server, kombiniert Linkbaum mit Terminbuchung. Gut für Berater, Praxen und alle, die ohnehin Termine vergeben. Kostenloser Plan verfügbar.

ClickWhale — WordPress-Plugin statt SaaS: Dein Linkbaum läuft auf deinem eigenen Hosting, die Daten bleiben bei dir. Grundversion kostenlos, Premium kostenpflichtig. Setzt eine eigene WordPress-Site voraus.

MinglyLink — unser Tool, deshalb volle Transparenz: MinglyLink ist in England registriert und unterliegt der UK-DSGVO; das UK hat einen EU-Angemessenheitsbeschluss, Datentransfers sind also ohne Zusatzgarantien zulässig. Kein aggressives Dritt-Tracking, rechtliche Links (Impressum, Datenschutz) direkt auf der Bio-Seite platzierbar — und alles ist kostenlos, inklusive Shop, Terminbuchung und 60 % Werbe-Umsatzbeteiligung. Kein deutsches EU-Hosting — wenn du genau das brauchst, nimm Wonderlink oder Zeeg. Den ausführlichen Vergleich findest du in unserem Beitrag Linktree Alternative: DSGVO-konform & kostenlos (2026).

Fazit

„Linktree ist nicht DSGVO-konform" ist als Pauschalsatz zu hart — aber als Warnung berechtigt: US-Datentransfer, Tracking ohne Einwilligung und das Impressum-Problem sind drei echte Baustellen, und mindestens zwei davon kannst du als Nutzer nicht selbst beheben. Wer geschäftlich unterwegs ist, fährt mit einem DSGVO-freundlichen Linkbaum entspannter — ob EU-gehostet (Wonderlink, Zeeg), selbst gehostet (ClickWhale) oder kostenlos mit UK-DSGVO-Basis (MinglyLink). Und wenn der Preis dein Hauptkriterium ist: Hier sind die besten wirklich kostenlosen Linktree-Alternativen.

Häufig gestellte Fragen

Ist Linktree DSGVO-konform?
Nicht ohne Weiteres. Linktree bietet zwar einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) und Standardvertragsklauseln an, verarbeitet Besucherdaten aber über US-Infrastruktur und setzt Analyse-Tracking ein, für das Besucher auf der Standard-Seite keine Einwilligung erteilen können. Seit dem Schrems-II-Urteil gilt diese Konstellation in Deutschland als rechtlich riskant.
Warum ist Linktree nicht DSGVO-konform?
Drei Gründe: Erstens verlassen personenbezogene Daten (IP-Adressen, Geräteinformationen, Klickdaten) die EU in Richtung USA. Zweitens erhebt Linktree Analysedaten ohne einen Consent-Mechanismus für deine Besucher. Drittens entsteht das deutsche Impressum-Problem: Liegt dein Impressum hinter der Linktree-Seite, ist es oft nicht mehr in zwei Klicks erreichbar.
Kann ich Linktree in Deutschland trotzdem nutzen?
Nutzen kannst du es — das Risiko trägst allerdings du als Seitenbetreiber. Wer bleiben will, sollte mindestens den AVV abschließen, Impressum und Datenschutzerklärung direkt als Links auf der Linktree-Seite platzieren und die eigene Datenschutzerklärung um die Linktree-Datenverarbeitung ergänzen. Ein Restrisiko (US-Transfer, Tracking) bleibt trotzdem bestehen.
Was ist eine DSGVO-konforme Alternative zu Linktree?
Streng EU-gehostet: Wonderlink und Zeeg (beide Deutschland). Selbst gehostet: das WordPress-Plugin ClickWhale auf dem eigenen Server. Kostenlos mit UK-DSGVO und EU-Angemessenheitsbeschluss: MinglyLink — alle Funktionen gratis, rechtliche Links direkt auf der Bio-Seite platzierbar.
Geht ein Linkbaum ganz ohne Cookies?
Ja. Ein DSGVO-freundlicher Linkbaum kommt ohne nicht-notwendige Cookies und ohne Dritt-Tracking aus — dann entfällt die Einwilligungspflicht nach TTDSG weitgehend. Achte bei der Tool-Wahl darauf, welche Tracker die Besucherseite tatsächlich lädt, nicht nur auf das Marketing des Anbieters.